Lederwaren Second Hand kaufen - ja oder nein?

Lederwaren Second Hand kaufen - ja oder nein?

Lisa Samhammer15/9/20

In diesem Blogpost geht es rund um das Thema Leder. Wir möchten hier etwas näher auf die Herstellung von Lederwaren eingehen und eine gute Alternative zum Kauf von Neuwaren aufzeigen. 

Grundsätzlich gilt Leder als sehr robustes und langlebiges Material, dadurch ist beispielsweise gut geeignet für die Herstellung von Taschen und Jacken. Auch Lederschuhe sind sehr beliebt, auch wenn nur die Sohle aus der Tierhaut hergestellt wurde.

Dennoch sollte man sich vor dem Kauf eines Lederproduktes folgende Punkte ins Gedächtnis rufen:

Um an die Häute zu kommen, erleiden die betroffenen Tiere oftmals alle Grausamkeiten der industriellen Massentierhaltung. In überfüllten Ställen wird vielen Rindern und Schweinen jegliches natürliches Verhalten verwehrt. Zahlreiche Rinder erhalten schmerzhafte Brandzeichen, ihre Schwänze werden gestutzt, die Hörner gekürzt und weltweit werden sie ohne Betäubung kastriert. Anschließend folgen der qualvolle Transport und die Schlachtung. Jedes Jahr werden allein in deutschen Schlachthöfen schätzungsweise 330.000 Kühe nicht ordnungsgemäß betäubt, bevor sie ausbluten und ihre Haut vom Körper geschnitten wird.

Allein dieser Punkt macht uns schon ein sehr schlechtes Gewissen und einen bitteren Nachgeschmack, da legen wir die neuen Stiefel lieber wieder weg.

Zum Tierwohl kommt noch die Problematik der Herstellung dazu, und die damit verbundene Ausbeutung der Arbeiter. Die weltweite Lederindustrie verarbeitet jedes Jahr die Häute von über 1,4 Milliarden Rindern, Ziegen und Schafen. Ein Großteil der Tiere wird in Billigproduktionsländern ohne greifende Tierschutzgesetze wie China, Indien (ja, Indien, die die Kühe ja eigentlich verehren), Brasilien oder Bangladesch getötet. Die Häute dieser Tiere werden anschließend auf der ganzen Welt verarbeitet und verkauft.

Eine weitere Recherche über die anschließende Gerbung sieht genauso verheerend aus.

Die sogenannten Rohhäute werden unter enorm hohem Wasserverbrauch weiterverarbeitet. Besonders gefährlich ist das Gerben mit schwer recycelbarem Chrom, womit heute 85 Prozent der weltweit vermarkteten Lederprodukte haltbar gemacht werden. Gerbereizusätze wie Formaldehyd, Schwefelsäure oder Natriumsulfat belasten die örtlichen Gewässer zusätzlich. Neben diesen Substanzen enthalten die toxischen Gerbereiabwässer enorme Mengen anderer Schadstoffe wie Proteine, Haare, Salze, Kalkschlamm, Sulfide und Säuren. Die giftige Schlicke wird nach Gebrauch häufig ungeklärt in der Natur entsorgt. Lebensräume für Mensch und Tier werden auf diese Weise langfristig verschmutzt.

Wie ihr seht ist der Kauf von Lederwaren also durchaus kritisch zu betrachten. Wir wollen hier auch keinesfalls Moralapostel sein, aber wir machen und bei Second Life Fashion auch immer wieder Gedanken darüber, was in der Modeindustrie so abgeht. 

Wenn Artikel aus Leder gekauft werden, ist es unerlässlich darauf zu achten, dass das Stück zeitlos ist uns auf jedenfall über viele Jahre hinweg verwendet wird, damit sich der enorme Einsatz von Ressourcen und Qualen auch gelohnt hat.

Eine andere Alternative zum Kauf von Neuware ist es natürlich Leder Second Hand zu kaufen. Auf diese Weise bekommt die Lederwarenindustrie keinen einzigen Cent mehr für ihre Arbeit und trotzdem kann dem Kleidungsstück, in das so viel Energie geflossen ist, die nötige Wertschätzung gezollt werden. 

Die Lederkleidung vor dem endgültigen Wegwerfen zu bewahren kann genauso erstrebenswert sein, wie diese Produkte gänzlich zu meiden. Das ist wohl eine Frage der persönlichen Einstellung, die jeder für sich selbst entscheiden muss.

 

Quellen: https://www.leder-info.de/index.php/Lederindustrie

https://www.peta.de/hintergrundwissen-leder

https://www.vegpool.de/forum/vegan-gesundheit/lederindustrie-unterstuetzen-1.html