Kleidung spenden: eine nachhaltige Entscheidung?

Kleidung spenden: eine nachhaltige Entscheidung?

In früheren Artikeln zu nachhaltiger Kleidung habt ihr bereits erfahren, dass die Nachhaltigkeit der Kleidungsstücke sehr viel mit ihrer Lebensdauer zu tun hat. Wenn ihr Lieblingsteile habt, die ihr schon seit Jahren tragt, ist das großartig. Doch manchmal passen Hosen, Pullover oder Kleider irgendwann nicht mehr so richtig, oder man merkt, dass man sich darin nicht wirklich wohl fühlt. Auch leichte Abnutzungserscheinungen wie das sogenannte Pilling oder Farbveränderungen sind noch kein Grund, die Stücke in den Tiefen der Mülltonne verschwinden zu lassen. Schließlich ist es alles andere als nachhaltig, wenn Textilien einfach verbrannt werden. Möchte man noch etwas Geld mit Kleidung verdienen, möglicherweise weil sie in der Anschaffung relativ teuer war, kann man sie gerne zum Verkauf anbieten. Ist ein Kleidungsstück nicht nach eurem Geschmack oder passt es nicht mehr, freuen sich vielleicht auch Freunde, Familie oder Kollegen darüber. Findet ihr keinen Abnehmer oder möchtet ihr die aussortierten Teile möglichst schnell und einfach weitergeben, ist die Kleiderspende an Hilfsorganisationen oder Verbände eine gute Alternative, um Platz im Kleiderschrank zu schaffen. Doch was spende ich wie? Gibt es besser und schlechtere Methoden? Und ist das Spenden überhaupt nachhaltig?

 

Welche Kleidung ist zur Spende geeignet?

Im Prinzip könnt ihr alles spenden, was der Kleiderschrank so hergibt. Neben Hosen, Pullovern, Röcken, Kleidern oder Shirts werden oft auch Schuhe, Accessoires wie Mützen oder Schals, Bettwäsche oder andere Textilien gesucht. Wenn man Kleidung spenden möchte, ist es wichtig, darauf zu achten, dass sie noch gut erhalten ist. Ihr solltet euch fragen, ob ihr sie selbst noch anziehen würdet. Lautet die Antwort „ja“, sind Shirts, Hosen, etc. perfekt um als Second Hand Kleidung verkauft zu werden. Dafür sollten die Kleidungsstücke auch frei von Flecken und Löchern sein. Ist der Zustand nicht mehr ganz so gut, kann vieles trotzdem gespendet und recycelt werden. Wenn die Kleidung jedoch stark verschmutzt oder beschädigt ist, ist es besser sie bei der Wertstoffsammlung abzugeben, da das Aussortieren für Hilfsorganisationen nur unnötige Kosten verursacht.

 

Wie kann ich Kleidung spenden?

Eine beliebte Möglichkeit ist die Abgabe in den Altkleidercontainern von Organisationen und Verbänden. Diese gibt es in fast jedem Ort, oft auch in der Nähe von Müllsammelstellen. Auf den Seiten der Hilfsorganisationen könnt ihr euch über die Standorte der Container informieren.

Wenn ihr genau wissen möchtet, was mit euren Sachen passiert, könnt ihr die Kleidung auch direkt in eine Kleiderkammer bringen. Hier sollte man sich aber vorher informieren, welcher Bedarf gerade besteht, also welche Kleidungsstücke gerade angenommen und weitergegeben werden können. Oft ist die Nachfrage saisonal, das heißt aus Platzgründen wird Winterkleidung nur im Herbst und Winter, Sommerkleidung erst im Frühling und Sommer angenommen.

Auf der Internetseite des Deutschen Roten Kreuzes gibt es sowohl Infos zu Kleidercontainern, als auch zu Kleiderkammern in eurer Nähe.

Es gibt noch weitere Organisationen und Einrichtungen, sowie Sozialkaufhäuser, die immer wieder Kleiderspenden benötigen, wie zum Beispiel die Arbeiterwohlfahrt, Bahnhofsmissionen, Notunterkünfte oder Kirchenverbände. Auf wohindamit.org könnt ihr nach Einrichtungen in eurer Nähe suchen, die Kleiderspenden annehmen.

Wenn es in der näheren Umgebung keine Sammelstelle gibt oder ihr die Kleidung lieber per Post versenden möchtet, könnt ihr euch beispielsweise auf der Internetseite der Deutschen Kleiderstiftung einen kostenlosen Versandschein erstellen. Auf packmee.de erhaltet ihr für eure gut erhaltene Kleidung einen Gutschein von einem der Partner.

https://www.kleiderstiftung.de/kleiderspenden-im-paket/

Auf der Internetseite von FairWertung könnt ihr nach weiteren seriösen Kleidercontainern, Second Hand- oder Oxfam-Läden in eurer Nähe suchen.

Welche Organisationen sammeln Kleidung?

Die bekanntesten Organisatoren von Kleiderspenden sind die Wohlfahrtsverbände Deutsches Rotes Kreuz und der Deutsche Caritasverband. Sie betreiben Container in vielen Städten und häufig auch Kleiderkammern und -lädern für die Menschen vor Ort. Aber auch Hilfsorganisationen wie der Malteser Hilfsdienst oder die Johanniter-Stiftung besitzen Kleidercontainer, die ihr nutzen könnt.


Die Deutsche Kleiderstiftung nimmt ähnliche Aufgaben wahr, wie die Hilfsorganisationen. Mitarbeiter sortieren die Kleidung vor und geben sie entweder an soziale Einrichtungen, Kleiderkammern oder eigene Charity-Shops weiter, der Rest geht als Hilfslieferungen ins Ausland.


Der Dachverband gemeinnütziger Organisationen, die Altkleidung sammeln, heißt FairWertung und setzt sich zur Aufgabe, Kleiderspenden transparent zu gestalten und Erlöse für soziale Projekte zu spenden. Nur wer sich an den Verhaltenskodex des Verbandes hält, darf das Logo von FairWertung verwenden. Siegel, an denen die Seriosität der Sammlung zu erkennen ist, bieten das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen und der Bundesverband Sekundärrohstoffe. 


Zudem gibt es viele Händler und Marken die inzwischen Kleiderspenden annehmen. Der Handelskonzern Otto nennt seine Aktion „Kleiderspende mit Herz“ bei der man mitbestimmen kann, für welchen gemeinnützigen Zweck die Erlöse aus dem Verkauf der Kleidung gespendet wird. Marken wie Cecil oder H&M bieten Gutscheine für abgegebene Kleidung an.

 

Was passiert mit gespendeter Kleidung?

Wenn die Kleidung in einem Sozialkaufhaus oder einer Kleiderkammer abgegeben wird, wird sie dort nach ihrer Brauchbarkeit sortiert zum Teil direkt zum Verkauf angeboten. Kunden sind vor allem Bedürftige, die dort schon für ein paar Euro gut erhaltene Kleidung und Textilien, wie Tischdecken oder Handtücher, erwerben können. Das, was nicht verkauft werden kann oder in Kleidercontainern abgegeben wird, geht weiter an einen Betrieb, der die Kleidungsstücke und Textilien nach ihrer Beschaffenheit sortiert und bestimmt, wie die weitere Verwendung aussehen soll. Ist die Kleidung noch gut erhalten, kann sie entweder in Deutschland und Europa, oder nach Afrika weiterverkauft werden. Weisen die Textilien schon Gebrauchsspuren auf, können sie meist trotzdem noch recycelt werden und beispielsweise zu Putzlappen, Autofüllstoff oder Malervlies verarbeitet werden. Wenn Kleidung jedoch so stark beansprucht wurde, dass sie nicht mehr verwertbar ist, kommt sie in eine Müllverbrennungsanlage. Laut DRK kann über die Hälfte der gespendeten Textilien, Accessoires und Schuhe als Second Hand Kleidung verwendet werden, circa 35% werden recycelt und etwa 10% müssen entsorgt werden.

 

Sind Kleiderspenden wirklich nachhaltig?

Der klare Vorteil der Spende ist, dass Kleidung nicht - wie bei der Entsorgung im Hausmüll - direkt verbrannt wird. Sofern es möglich ist, kommt ihr noch ein Nutzen zu indem sie entweder direkt dorthin weitergegeben wird, wo Bedarf besteht, oder recycelt wird. Durch eine Weiterverwendung der Textilien werden Rohstoffe und Energie, die für die Herstellung aufgewendet wurden, möglichst optimal genutzt. Dies ist wichtig für einen nachhaltigen Umgang mit produzierten Gütern.

Hilfsorganisationen sind auf die kostenlosen Kleiderspenden angewiesen, um Menschen, die sich Neuware nicht leisten können, mit ausreichend Kleidung versorgen zu können. Kleidung, die nicht mehr getragen wird oder nicht in eigenen Läden verkauft werden kann, wird an Verwertungsgesellschaften verkauft und finanziert so soziale Projekte. In diesem Fall ist zwar die Kleidung nicht mehr unbedingt nachhaltig, da vermehrt Rohstoffe und Energie für die Logistik anfallen, der finanziellen Gegenwert ist aber für die gemeinnützige Arbeit der Organisationen von großer Bedeutung.

Jedoch herrscht hierbei nicht immer Transparenz, wie der weitere Weg der Kleidung aussieht, weshalb viele Menschen verunsichert sind, inwiefern das Spenden auch negative Folgen haben kann.

Das liegt zum einen daran, dass man immer wieder von Unternehmen oder Vereinen hört, die unter dem Deckmantel des guten Zwecks Altkleider sammeln, nur um sie gewinnbringend verkaufen zu können. Dabei kommt weder die Kleidung, noch das Geld dafür Hilfsbedürftigen zugute. Hier hilft es aber genau darauf zu achten, wer hinter der Spende steht und von Spendenaufrufen Unbekannter Abstand zu nehmen. Also überzeugt euch im Internet oder vor Ort über den Umgang mit der gebrauchten Kleidung und gebt sie nur in Kleidercontainer, auf denen die Organisationen klar zu erkennen ist.

Zudem stellt sich die Frage der Nachhaltigkeit, wenn Exporte ins Ausland die dortige Wirtschaft negativ beeinflussen. Es wird befürchtet, dass große Mengen günstiger Textilien in Entwicklungsländern die lokalen Märkte und Händler gefährden können, da diese nicht mehr konkurrenzfähig sind. FairWertung kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Textilbranche in Afrika aufgrund mangelhafter Rahmenbedingungen schlichtweg nicht mit Importen aus Asien mithalten konnte und deshalb weitestgehend verschwunden ist. Wird Second Hand Kleidung vor dem Export sorgfältig geprüft und deklariert, komme sie den Märkten vor Ort sogar zugute, da damit viele Arbeitsplätze entstanden sind. Inwiefern Exporte gebrauchter Textilien tatsächlich Schaden oder Nutzen für die importierenden Länder sind, ist nicht einfach zu beantworten.

 

Fazit: Nachhaltig kaufen - nachhaltig spenden

Wenn ihr sicher gehen wollt, dass sie dort ankommt wo sie soll, sortiert eure Kleidung vor einer Spende am besten selbst: Welche Teile sind noch in gutem Zustand und können weiterhin getragen werden? Welche Teile sind leicht beschädigt oder verschmutzt und welche sind kaputt?

Sehr guter Zustand: Nach Absprache könnt ihr eure Schätze direkt in Kleiderkammern oder Sozialkaufhäusern vorbeibringen oder auch per Post an Organisationen wie die Deutsche Kleiderstiftung senden. Alternativ könnt ihr sie natürlich verkaufen, eintauschen, Freunden schenken oder bei uns vorbeibringen.  
Leichte Gebrauchspuren: Haben eure Kleidungsstücke kleine Löcher, Flecken oder ist der Stoff nicht mehr der neueste, könnt ihr sie immer noch in die Kleidercontainer der Hilfsorganisationen geben. Die Erlöse aus dem Verkauf der Textilien werden dabei für soziale Projekte verwendet.
Starke Beschädigung: seht im Etikett nach, welche Materialen verarbeitet wurden und informiert euch über eine sachgerechte Entsorgung der Altkleider

Letztendlich ist die Spende von aussortierter Kleidung eine gute Sache, vor allem wenn man darauf achtet, welche Organisation hinter der Sammlung steht und für was sie sich einsetzt. Transparenz ist dabei ein gutes Zeichen. Die Sammelnden kümmern sich darum, dass die Kleiderspenden in den Kreislauf zurückgeführt werden, entweder als Second Hand Mode oder als recycelbarer Rohstoff. Jedoch sind die gespendeten Mengen an Kleidungsstücken inzwischen so groß, dass auch angesehene Organisationen einen großen Teil an Verwertungsgesellschaften weiterverkaufen, die Textilien unter anderem auch in Länder exportieren, bei denen die Auswirkungen der Exporte auf die dortige Wirtschaft nicht ganz klar sind. Gespendete Kleidung ist meist auch nachhaltige Kleidung, wir sollten also nicht damit aufhören. Wenn wir uns aber angewöhnen, weniger Neuware zu kaufen und öfter mal in Second Hand Kleidung investieren, können wir gemeinsam auch die Berge an Kleidung reduzieren, die exportiert werden müssen. Das ist besser für die Umwelt und die Wirtschaft der Importländer.

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